Familienchronik
Brandes/Behrends/Schlücker/Krafft
107 F A1
ISBN 978 3 9803911 8 4
Familienchronik / Brungers

Adolf Ahrens. F37.

Adolf Ahrens, geboren am 17. September 1879 in Bremerhaven, wächst auf dem Gelände der Rickmers Werft in Bremerhaven auf. Sein Vater arbeitet als Gärtner für den Reeder und Werftbesitzer Rickmer Clasen Rickmers. Bereits mit 14 Jahren verlässt Adolf Ahrens sein Elternhaus und fährt zur See.

Seefahrerischer Werdegang:
1894 heuert Adolf Ahrens als Schiffsjunge auf der Viermastbark Renée Rickmers an.
Im Alter von 19 Jahren erwirbt er in Elsfleth das Patent zum Steuermann und fährt zwei Jahre auf dem in Brake beheimateten Segelschiff Amazone. 1901 besteht Adolf Ahrens das Kapitänsexamen und geht zum Norddeutschen Lloyd. In den folgenden Jahren fährt er für den Lloyd zumeist im Hauptliniendienst nach Ostasien, später im Küstendienst von Singapur und Hongkong aus. 1902 absolviert er ein einjähriges Intermezzo bei der Kaiserlichen Marine, um danach wieder in Asien eingesetzt zu werden. Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 befindet sich Ahrens als 2. Offizier mit dem Dampfer Derfflinger auf der Heimreise im Roten Meer. Im Suezkanal wird das Schiff von den Briten gestoppt und später in Alexandria gekapert, die Besatzung wird auf Malta interniert. Erst im Dezember 1919 kann Adolf Ahrens nach Deutschland zurückkehren. Nach Ende des Krieges übernimmt Ahrens zunächst den elterlichen Gemüsehandel in Nordenham, kehrt aber nach Wiederaufbau der deutschen Handelsflotte 1923 wieder zum Norddeutschen Lloyd zurück.
1924 wird Adolf Ahrens, unter dem Kommando von Kapitän Nikolaus Johnson, 1. Offizier auf der Columbus, die überwiegend im Nordatlantik eingesetzt wird. Vier Jahre später übernimmt er selbst die Führung des Schiffes und wird Kapitän. 1936 schließlich erhält Ahrens, als Nachfolger von Kommodore Leopold Ziegenbein, das Kommando auf der Bremen, dem zu seiner Zeit wohl modernsten Schnelldampfer der Welt. Kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs liegt Ahrens mit der Bremen in New York. Ohne Passagiere gelingt es ihm, die Bremen unbemerkt zunächst in den noch neutralen Hafen Murmansk und im Dezember schließlich von dort aus zurück nach Bremerhaven zu bringen. In Anerkennung dieses zweimaligen Blockadedurchbruchs verleiht ihm der Norddeutsche Lloyd 1940 den Kommodoretitel.

Politik:
1949 wird Adolf Ahrens über die Bremer Landesliste der Deutschen Partei (DP) in den ersten Deutschen Bundestag (1949-1953) gewählt. Die DP erreicht bei der Bundestagswahl 1949 4,0% und gewinnt 17 Sitze. Sie bildet anschließend mit CDU/CSU und FDP unter Konrad Adenauer die Bundesregierung.
In den 1940er und 1950er Jahren ist die DP am rechten Rand des politischen Spektrums anzusiedeln. Inhaltlich setzt sich die DP vor allem gegen Kommunismus und Sozialismus, sowie gegen Mitbestimmung, Planwirtschaft und Bodenreform ein und engagiert sich überwiegend für ehemalige Wehrmachtsangehörige und Vertriebene. Adolf Ahrens widmet sich im besonderen Fragen der Schifffahrt und des Handels.
Adolf Ahrens stirbt am 21. Januar 1957 in Bremen.

Verwandtschaft:
Die interessanteste Frage aber scheint mir zu sein, ob Adolf Ahrens tatsächlich der Bruder von Anna Hilke ist, wie in unserer Familie immer behauptet wird. Bislang fehlen schriftliche Beweise.
Ahrens wird 1879 geboren. Das scheint unstrittig, er schreibt es auch in seiner Biografie Männer, Schiffe, Ozeane. Anna Hilkes Tochter Berta wird (laut eigener Heiratsurkunde) nur ein Jahr später, nämlich 1880 geboren. Nehmen wir an, Anna Hilke wäre bei der Geburt ihrer Tochter 18 Jahre alt gewesen, so wäre sie 17 Jahre älter als ihr Bruder Adolf Ahrens. Ein solcher Zeitabstand ist sicherlich möglich, erscheint mir aber eher unwahrscheinlich. Möglicherweise sind Anna Hilke und Adolf Ahrens auch nur Halbgeschwister. Dieses Verwandtschaftsverhältnis müsste nochmal hinterfragt werden.

Von und über Adolf Ahrens erschienen folgende Bücher:
Adolf Ahrens: Die Siegesfahrt der Bremen. Aufgezeichnet von Christian Hilker. Berlin 1940. (wiederaufgelegt als: Die Bremen. Essen 1956.)
Adolf Ahrens: Männer Schiffe Ozeane. Aufgezeichnet von Christian Hilker. Worpswede 1949.
außerdem zur Fahrt der SS Bremen (englisch):
Peter A. Huchthausen: Shadow Voyage. The Extraordinary Wartime Escape Of The Legendary SS Bremen. New Jersey 2005.

Quellen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Adolf_Ahrens
http://werften.fischtown.de/archiv/adolfahrens.html

 

Renee Rickmers

Renée Rickmers
Eiserne Viermastbark, 1887 gebaut von Russell & Co., Glasgow.
Abmessungen: 86,25x12,31x7,46 Meter.
Tonnage: 2135 BRT und 2064 NRT.
Stapellauf: August 1887 in der Werft von Russell & Co., Glasgow, für Rickmers Reismühlen, Rhederei und Schiffbau AG, Bremerhaven. 1913 verkauft an Gustav Erikson, Mariehamn, Åland (Dänemark), umgetauft in Åland. Am 20. August 1914 gestrandet vor Neukaledonien (Pazifik).
Quelle: http://www.bruzelius.info/Nautica/Ships/Fourmast_ships/Renee_Rickmers(1887).html

 

Derfflinger

Derfflinger
Doppelschraubendampfer, 1907 erbaut von F. Schichau, Danzig.
Abmessungen: 141x18 Meter.
Tonnage: 9060 BRT.
Unterkünfte: 1. Klasse: 104, 2. Klasse: 104, 3. Klasse: 919 Passagiere.
Stapellauf: 9. November 1907 in Danzig für den Norddeutschen Lloyd, Bremen. Jungfernfahrt am 9. Mai 1908 von Bremen nach New York. Danach auf der Route Bremen - Suez - Ferner Osten eingesetzt. 1914 von den Briten bei Port Said gekapert, in Huntsgreen umbenannt und bis 1923 als Truppenschiff eingesetzt. 1923 wieder an den Norddeutschen Lloyd verkauft und auf 9162 Tonnen umgebaut, befuhr die Route Bremen - New York; später Bremen - Halifax - Galveston; und wurde dann wieder auf der Fernost Route eingesetzt. 1932 in Bremerhaven verschrottet.
Quelle: http://www.theshipslist.com/ships/descriptions/ShipsD.html

 

Columbus

Columbus (II)
1922 erbaut in der Schichau-Werft, Danzig.
Abmessungen: 232,89x24,94 Meter.
Tonnage: 32345 BRT.
Unterkünfte: 1. Klasse: 513; 2. Klasse: 574, 3. Klasse: 705 Passagiere.
Stapellauf: ursprünglich geplant am 17. Juni 1922 in Danzig für den Norddeutschen Lloyd, Bremen. Das Schiff blieb jedoch auf der Ablaufbahn hängen und es gelang erst am 12. August 1922, den Rumpf zu Wasser zu bringen. Die Columbus war der damals größte Nachkriegsbau Deutschlands. Jungfernfahrt am 22. April 1924 von Bremerhaven nach New York. Zunächst im Nordatlantik-Liniendienst eingesetzt. Die Columbus war zwar weniger schnell als vergleichbare Schiffe ihrer Zeit, doch konnte sie sich mit ihren 22-23 kn zu den noblen Expressdampfern zählen. Sie machte sich bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs auch als Kreuzfahrtschiff einen guten Namen. Das Ende der Columbus war tragisch: Bei Kriegsausbruch 1939 befand sie sich in der Karibik auf Kreuzfahrt. Man ließ die Passagiere in Havanna aussteigen und wollte den Durchbruch nach Deutschland wagen. Im Nordatlantik wurde die Columbus von dem britischen Zerstörer HMS Hyperion aufgebracht und zum Stoppen aufgefordert. Die Besatzung wollte das wertvolle Schiff dem Gegner jedoch nicht in die Hände fallen lassen, und öffnete die Seeventile. Die Columbus sank im Atlantik, 320 Seemeilen östlich von Kap Hatteras. Die Besatzung wurde von dem US-Kreuzer USS Tuscaloosa gerettet.
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Columbus _%28II%29

 

Bremen

Bremen (IV)
Vierschraubenturbinenschnelldampfer, 1927-1928 erbaut von Deschimag, Bremen.
Abmessungen: 286x31 Meter.
Tonnage: 51656 BRT.
Unterkünfte: 1. Klasse: 811, 2. Klasse: 500, Touristenklasse: 300, 3. Klasse: 617 Passagiere.
Das seinerzeit größte Schiff der deutschen Handelsflotte hatte ein Postflugzeug vom Typ HE 12 an Bord, welches mittels einer Katapultanlage etwa 400 Meilen vor New York bzw. auf der Heimreise vor Cherbourg die Bremen verlassen konnte. Die Laufzeit der Post konnte dadurch erheblich verkürzt werden.
Kiellegung am 18. Juni 1927. Bereits auf der Jungfernfahrt am 16. Juli 1927 von Bremerhaven aus gelingt es, in 4 Tagen, 17 Stunden und 42 Minuten die Strecke zwischen Cherbourg und New York zurückzulegen, und damit das Blaue Band für die schnellste Atlantikquerung zu erobern. 1933 holt sich die Bremen erneut das Blaue Band mit der Geschwindigkeit von 28,51 Knoten. "Nach diesem zweiten Rekord soll Kommodore Ziegenbein seinem Küchenchef befohlen haben, ein besonderes Gericht für eine Feier herzurichten. Der Koch, ein Genfer oder Walliser, hatte schon Kalbfleisch zugeschnitten, worauf Ziegenbein ihn angewiesen habe, er als Schweizer solle sich etwas mit Käse einfallen lassen. Der Koch habe darauf Käsescheiben in die Schnitzel eingelegt und das Gericht der Bremen zu Ehren Cordon bleu (Blaues Band) genannt." (http://www.radiobremen.de/magazin/geschichte/schiffe/bremen/manuskript.pdf)
Kurz vor Ausbruch des zweiten Weltkriegs läuft die Bremen am 28. August 1939 unter dem Kommando von Adolf Ahrens zum letzten Mal im Hafen von New York ein. Angesichts der gespannten Lage verlässt das Schiff New York am 30. August ohne Passagiere. Bei Ausbruch des Krieges befindet sich die Bremen vor Neufundland. Ahrens lässt das Schiff bei laufender Fahrt grau tünchen und nachts abgedunkelt fahren, um nicht gesehen zu werden. So gelingt es, unbemerkt den sowjetischen Hafen Murmansk anzulaufen. Die meisten Besatzungsmitglieder fahren auf dem Landweg in die Heimat.
Das Lloyd-Schiff verlässt Murmansk im Dezember mit dem Ziel Bremerhaven. Wieder gelingt das Husarenstück, den britischen Sperrgürtel im Nordmeer und der Nordsee zu durchbrechen. Am 13. Dezember 1939 trifft die Bremen in Bremerhaven ein. Hier wird das Schiff in den Dienst der Kriegsmarine gestellt, die es zum Wohnschiff mit Liegeplatz Bremerhaven umrüstet.
Am 16. März 1941 bemerkt der Zweite Offizier Feuer im sogenannten Jagdzimmer, in dem Matratzen eingelagert sind. Alle Versuche, die Bremen vor der Vernichtung zu bewahren, sind erfolglos, obwohl man zusätzlich die Feuerwehren aus Cuxhaven, Bremen und Hamburg zur Unterstützung alarmiert.
Angeblich soll ein 17jähriger Schiffsjunge den Brand gelegt haben, um sich für eine Ohrfeige zu rächen. Das Schiff brennt völlig aus und wird in Bremerhaven verschrottet.

Quellen:
http://www.feuerwehr-bremerhaven.de/hist_ bremen.htm
http://www.janmaat.de/bremen_te.htm
http://www.radiobremen.de/magazin/geschichte/schiffe/bremen/manuskript.pdf
Die legendäre Bremen - Lebensgeschichte eines Ozeanriesen. Feature. CD. (Erstausstrahlung 13.08.1952, Radio Bremen) Hörbuch Hamburg Verlag Margrit Osterwold

 

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ISBN 978 3 9803911 8 4
1. Aufl. 2007
Paperback, 32 S., Preis auf Anfrage
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