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Martin Bartholmy Mein mittlerer Kochtopf Gedankenlyrik 105 Z 1.081 ISBN 978 3 9803911 7 7 |
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Gedankenlyrik, so das erste Wort dieses Bändchens, - was werden wir also darin lesen. Nun, das Gedankliche in der Lyrik ist ja eher ziemlich passé und Lyrik selbst auch nicht eben der Hecht im Karpfenteich des literarischen Forellenquartetts -falls der Dichter das so sagen würde? ... Er würde? - Na, wegen mir. Weswegen wir hier nun auch mal keine Gedichte, sondern lyrisch Ungereimtes vorlegen, das doch vielleicht gerade dem sich entpuppenden Gedanken, mäeutisch möglicherweise...? - Aber das überlassen wir der Deutung, die der Hegelschen Eule gleich sich erst nach Einbruch des Winters in den Süden, gen Athen hin bewegt. Schauen wir lieber einmal genau, was Dich, Leserin, was Dich Leser, auf den folgenden Seiten wirklich erwartet. Da kommen wir dem Braten dann schon näher. Schrei lauter Muse, mach mehr Krach, Die Muse such ich ständig, Und so weiter, man kennt das ja. Gedanklich reiferen Menschen mag die Gliederung in sieben säuberlich getrennte Abschnitte widernatürlich vorkommen. Die stark empfindenden unter ihnen mögen sogar ausrufen: "Das ist ja widernatürlich." Und ohne Umschweif geben wir ihnen recht. Andererseits bedarf der Gedanke, hat er schon keinen Reim zur Hilfe, doch ganz besonders der ordnenden Hand, sonst bleibt am Ende nur ein Saustall über, den dann keiner ausfegen will, von auslesen ganz zu schweigen.
Albrecht Conz
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1. Wohnen
In seiner Wohnung ist der Mensch I. Vor meinem Fenster hockt die Fensterbank. II. Vor dem Haus steht III. Heiße Zigarettenasche IV. Mir fällt heute auf, V. Wenn ein Kaffeefilter treu VI. Ein Groschen ist mir hinter den Kühlschrank gefallen. VII. Ich putze den Tonkopf meines Kassettenrecorders VIII. Der Messbecher in meiner Küche IX. Der Wasserhahn bei mir im Bad X. Die Wände meines Wohnzimmers XI. Ein Buch ist mir auf den Teppich gefallen. XII. Beim Frühstück fällt mir eine Brotkrume XIII. Wenn ich über die Rippen meines Heizkörpers fahre, XIV. Kürzlich habe ich mir XV. Mein mittlerer Kochtopf XVI. Und immer dieses Konkurrenzdenken XVII. In meiner Wohnung stehen XVIII. Links im Flur in einer Ecke XIX. Früher habe ich leere Bierdosen plattgetreten, XX. Im Kopf geht mir ein Gedanke rum, XXI. Ich habe einen Hausschuh verloren.
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2. Fortbewegen Bewegung ist das A und O I. Auf der Straße fährt ein Auto. II. Ein Fahrrad steht angekettet III. Die Rolltreppe im Bahnhof ist defekt. IV. Die Stadtreiniger haben V. Die Türen alter S-Bahn-Züge VI. An meine Schuhsohle hat sich zäh VII. Im Bus setze ich mich, ist etwas frei, VIII. Im Plattenladen IX. Auf der Titelseite der Zeitung lese ich, X. Ein kleines Flugzeug fliegt vor meinem Fenster vorbei. XI. Singles sind kleiner als LPs, XII. Die Wolken am Himmel da, XIII. Ein Auto fährt über den Zebrastreifen. XIV. Die U-Bahn hält an XV. Auch die Himmelskörper kennen die Tricks XVI. Tagsüber machen vor meinem Haus XVII. Sonnenbrille, Regenschirm, XVIII. "Tscha", denke ich, "Dopplereffekt". XIX. Die Ampel zeigt rot. XX. Wenn mitten in der Seenplatte ein See umkippt XXI. Wenn hingegen in der Kneipe ein Bierglas umkippt XXII. Jetzt sitze ich aber echt in der Klemme:
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3. Arbeiten und wenn's köstlich gewesen ist, I. Eine Büroklammer hat sich fest II. Meinen Hosenladen, III. Eine Büroklammer hat sich, IV. Auf dem Display meines Taschenrechners V. Das Mikrophon in meiner Hand VI. Zwischen den Schneidezähnen oben VII. Geistesabwesend fasse ich mir an den Arm - VIII. Putztücher gibt's nur in hellen Farben. IX. Wo eigentlich enden Faxe, X. Was heißt hier Stradivari? XI. Das Märchen von XII. Ich weiß ja nicht,
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4. Kaufen Alles ist käuflich, I. Eine bunte Alditüte II. Im Rinnstein sehe ich einen Groschen III. Vor meinem Supermarkt steht ein Alkoholiker IV. In den Einkaufswagen stecke ich V. Ein Würfel hat sechs Seiten. VI. Im Supermarkt habe ich mir VII. Gestern habe ich mir die Haare VIII. Im Sonderangebot IX. Von meinem Kühlschrank ist X. Das cleverste aller Tiere XI. Leere Kassettenhüllen - XII. Auf meiner mittels Klebestreifens XIII. Schon das dritte Mal dieses Jahr XIV. Auf meiner Zigarettenpackung
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5. Tieren Tiere schauen dich an, I. Auf dem Kirchturm oben II. Der Rollladen hat sich im Kasten verhakt. III. Eine Taube frisst einen verlorenen Schnürsenkel. IV. Der Weberknecht in meiner Küche, V. Knutschflecke sind eigentlich VI. Ein Regenwurm hängt am Angelhaken. VII. Ein Poller hängt schräg am Straßenrand. VIII. Ein Mäuschen liegt am Bordstein, tot, IX. Eine CD ist aus der Hülle gefallen. X. Zum Blutspenden gehe ich nicht. XI. Das Ohr hingegen will ich lobend erwähnen, XII. Noch besser ist die Symbiose XIII. In der Kirche sehe ich nach langen Jahren XIV. In den Stricken der Wäschespinne im Hinterhof XV. Sind in der Sahnesoße Knubbel drin, XVI. Kurz vor dem Verzehr
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6. Pflanzen Ist er zu dicht, fehlt es an Licht, I. Hinter dem Zaun, II. Neben meiner Parkbank blüht rosafarben III. In meinem Beet IV. Im Vorgarten liegt heute morgen V. Meinem Usambaraveilchen VI. Ein Regenwurm ohne Regen sieht aus VII. Im Wald da sind die Räuber. VIII. Die Grünlilie auf meinem Schreibtisch, IX. Haben Pflanzen vielleicht doch eine unsterbliche Seele? X. Die Antenne auf dem Hausdach gegenüber XI. Auf Tee ist übrigens auch kein Verlass. XII. Auf dem nächtlichen Nachhauseweg XIII. Als ich mein Küchenregal abstaube, XIV. Der billige Wein ist mit Plastik verkorkt.
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7. Naturen Alles ist Natur, I. Der Asphalt bröselt II. Auf einem Poller wächst Moos, III. Der Glascontainer ist voll. IV. Einmal ein Kondensstreif am Himmel zu sein! V. Die Hauswand schräg gegenüber VI. Am Himmel, der volle Mond VII. Ungerecht geht die Natur VIII. Ein Regentropfen prallt aufs Pflaster IX. Ein Haus braucht ein Dach; X. Lasse ich meine Fernbedienung fallen, XI. Ich hab mir ein Nasenhaar ausgerissen. XII. Meine Uhr, XIII. Ist eigentlich schon einmal XIV. Haben Sie eigentlich schon mal gesehen, XV. Wenn's mich am Kopf juckt, XVI. Hilft Anti-Schuppen-Shampoo XVII. Auf RTL kommt Werbung. XVIII. Links oben am Himmel, XIX. Draußen im kahlen Baum XX. An einer Hauswand steht gesprayt: XXI. Heute ist schon wieder nichts vom Himmel gefallen. XXII. Sehr vernünftig, dass die Natur XXIII. Wenn ein abgeschnipptes Stück Fingernagel, XXIV. Falls Dich jemand fragt,
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P.S.: Dichten Dichten ist das halbe Leben; I. Mein Wasserkocher kocht nicht mehr,
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| Martin Bartholmy Mein mittlerer Kochtopf Gedankenlyrik 105 Z 1.081 ISBN 978 3 9803911 7 7 1. Aufl. 2002 Paperback, 52 S., 10.00 EUR home · zurück · index · order · |
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